Schuld

Ich lebe mit der Schuld. Mit der Schuld meinen kranken Mann verlassen zu haben. Mit der Schuld weiter zu leben, weiter zu arbeiten, in einem Job, den ich sehr gerne mache. Mit der Schuld, glücklich zu sein, während mein Ex-Mann immer weiter an der Demenz zugrunde geht. Ja, ich wage es kaum aufzuschreiben, aber ich bin tatsächlich glücklich. Ich mag mein Leben. Diese Erkenntnis zuzulassen, macht noch mehr Schuldgefühle. Und doch ist es so: Ich lebe, und das gern.

Mein Freund ist wieder da. Ja, ich bin glücklich. Aber nicht nur deswegen. Ich bin dankbar, dass diese Liebe doch möglich ist. Dankbar, dass ich zwei gesunde, tolle Mädchen habe. Dankbar, dass ich einen wunderbaren Job habe, der, zwar nicht gut bezahlt, aber doch dafür reicht, meine Kinder und mich zu ernähren. Dankbar, dass der Sommer beginnt. Dankbar, dass ich tanzen kann. Das Leben ist schön. Trotz allem.

Das Schwere wird kommen. Es steht schon in den Startlöchern, kommt näher und näher. Aber: Ich spüre meine Stärke wieder. Die Liebe und der Tango sind auch da. Und die Schuld. Aber damit kann ich leben – und wie.

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