Meine Aufgabe

Mein Leben besteht aus To-Do-Listen. Arbeiten, einkaufen, Kinder erziehen, Arzttermine für uns drei, Elternabende, Papierkram. Jede alleinerziehende Mutter kennt das, erst recht jede Mutter, die keinen Vater mehr im Hintergrund hat, also zu 100 Prozent alleinerziehend ist wie ich. Jetzt ist eine neue große Aufgabe dazugekommen. Eine, die mir Angst macht – noch.

Ich hatte den ersten Eltern-Termin bei der Kinderpsychologin meiner kleinen Tochter. Das war ein sehr gutes, aufbauendes Gespräch. Ich habe mitgenommen: Meine Kleine spiegelt mich. Die Kinderpsychologin weiß genau wie es mir geht, denn das sieht sie daran, wie es der Kleinen geht und wie sie sich verhält. Und darum lautet die Aufgabe: Ich soll es schaffen, ihren demenzkranken Papa, meinen Ex-Mann, zu besuchen. Allein, nur mit meiner Kleinen. Kein anderer Erwachsener soll mitkommen. Bisher ist immer mein Freund mitgekommen, der ja inzwischen nicht mehr mein Partner ist.

Mein Freund hat mich aufgefangen bei diesen Besuchen, die mich an den Rand meiner Belastbarkeit gebracht haben. Er hat auch meine Kleine aufgefangen. Denn dazu war ich da oben an der Küste nicht fähig, da mich die Besuche selbst so komplett fertig gemacht haben. Zwei verzweifelte Menschen, um die mein Freund sich gekümmert hat. Großartig hat er das gemacht, keine Frage. Und letztlich war das zu viel für ihn. Wer könnte es ihm verdenken?

Jetzt ist es an der Zeit, dass ich mich selbst der Situation stelle. Ohne Netz und doppelten Boden. Die Psychologin sagt: Wenn die Kleine sieht, dass Mama stark genug ist, das auszuhalten, wird auch sie es aushalten. Völlig logisch. Komisch, dass ich bisher nicht selbst darauf gekommen bin.

Jetzt muss ich nur noch die Kraft finden, das umzusetzen.

4 Gedanken zu “Meine Aufgabe

  1. Du kannst das.!!! So viel hast du schon erreicht und umgesetzt.
    Ich habe “ nur“ einen Mann,der FTD/PPA hat und weiss, was das alles umfasst.
    Also nur Mut. Es geht zwar um das Kind, aber vergesse dich nicht dabei.
    Liebe Grüße
    Elke

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  2. Meine Liebe – wie Elke sagt, nur Mut, Du wirst es schaffen! Die guten Zeiten waren schön, und jetzt ist es wie es ist, die Krankheit halt. NB Im April waren es schon fünf Jahre, dass mein Mann im Pflegeheim ist. Das Leben geht weiter – und Du wirst immer besser damit umgehen können.
    Take care, Birdie

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  3. Hallo!
    Ich kann dich verstehen, dass du Angst hast und du an deine Grenzen stößt, aber immer wenn ich deine Beiträge lese , dann denke ich: Was für eine starke Frau. 😘 Du schaffst das!! Es gibt einen Spruch: Und immer wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Dieses wünsche ich dir und deinen Kindern von Herzen ❤️

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  4. Liebe Aphasia,
    ich melde mich auch mal wieder. Anstrengend ist das Aushalten, ja.
    Das Aushalten ist wohl das Schwierigste an der ganzen Situation und ich merke an mir selbst, dass
    ich ganz ähnlich handle wie Du im ersten Jahr. Ich ziehe mich zurück, körperlich, wie emotional.
    Und warum? Wenn ich ihn nicht „erlebe“, keine tiefere „Unterhaltung“ führe oder einfach Zeit mit ihm verbringe, dann ist es nicht so schlimm. Aber es ist eine Flucht. Und diese Flucht ist unseren Kindern nicht möglich. Nicht unseren Kleinen. Und darum stelle ich mir folgendes Bild vor:
    Meine kleine Tochter sitzt in der Mitte eines Raumes, alleine und umgeben von angstmachenden Dingen. Ich sehe Türen und möchte hinauslaufen, aber ich kann nur alleine gehen.
    Ich stehe an der Schwelle und blicke zurück und sehe mein Kind hilflos in diesem Raum sitzen. Allein.
    Und das gibt mir Kraft, immer wieder zurück in diesen unangenehmen Raum zu gehen, zu meinem Kind,
    um bei ihm zu sein und es zu trösten und den Raum gemeinsam auszuhalten und nach und nach die
    Ängste, die uns umgeben, zu bekämpfen.
    Und so kommt es zu einzelnen Tagen, an den wir fast wie eine „normale“ Familie schöne Ausflüge machen und Zeit zusammen verbringen.
    Auch wenn nichts „normal“ ist an diesen Tagen……wie sagte meine Kleine :“hauptsache, wir sind mal wieder zusammen“. Und am Ende hat jeder von uns etwas Positives zurückbehalten. Und wenn es nur eine einzige Minute am Tag war, die schön war. Das sind 100% mehr als nichts. Und das fokussiere ich ab jetzt. Mein Mann übrigens auch. Er kann es nicht sagen, aber er zeigt mir deutlich, dass er diese gemeinsamen Zeiten braucht, uns braucht, mich braucht.

    Anstrengend……bin ständig krank. „es steht mir quasi bis zum Hals“….hab immer wieder Halsschmerzen.
    Auch ich habe eine Mutter-Kind-Kur beantragt. Du hast mich darauf gebracht. Hab gestern die Zusage bekommen für Januar 2020 am Buckow-See 🙂
    Im Juli fahren wir auch als Familie weg, bin gespannt, wie die zwei Wochen in Tirol werden.
    Ich denke ganz oft an Euch und schicke Dir eine Umarmung. Viel Kraft, Du bist nicht allein.
    Tanja

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