Für die Wissenschaft

Keine Medizin, keine Behandlung, keine Heilung – immer noch gibt es nichts, was man gegen FTD tun kann. Während Millionen Euro für den Bundestagswahlkampf rausgeschleudert werden und Milliarden Dollar in Sekundenbruchteilen an den Börsen der Welt den Besitzer wechseln, gibt es so gut wie kein Geld, um ein Heilmittel gegen FTD zu entwickeln. So sind wir dazu verdammt einfach zuzuschauen, wie meinem Mann das Hirn wegschrumpft.

Die Pharmaindustrie ist nicht interessiert an Krankheiten, die zu wenig Kunden generieren. Mangelnde Nachfrage, so heißt das in unserer „sozialen“ Marktwirtschaft. Leidest du an einer Orphan Disease, haste eben Pech gehabt. FTD-Patienten sind zu selten, um Gewinn versprechend zu sein. Umso mehr muss man sich freuen, wenn überhaupt geforscht wird.

Und das wird es tatsächlich. Mein Mann wird sich ab sofort als Versuchskaninchen bereitstellen. Er nimmt an einer Studie teil, die speziell die FTD-Variante Primär nicht flüssige Aphasie im Auge hat. Leider soll durch die Studie nur die Diagnostik verbessert werden. Eventuelle Heilmittel werden nicht getestet – es gibt ja auch keine. Aber immerhin geht es ein Stückchen voran mit der Forschung. Kommt es auch ihm nicht mehr zugute – wir denken an die nächste Generation, zu der unsere beiden Kinder gehören. Eine Vererbung ist ja längst nicht ausgeschlossen.

Ich bin sehr froh, dass er noch allein Zug fahren kann, denn die Studie ist in einer anderen Stadt und dauert drei Tage. Urlaub kann ich in meinem neuen Job noch nicht nehmen – schon gar nicht mit so einer Begründung.

Durch den neuen Job bleibt neben Kindern und Demenz-Stress noch weniger Zeit für Schönes. So hab ich leider das wunderbare Contemporary Tango Festival im Berliner Hauptbahnhof fast komplett verpasst. Sechs Tage Tango, umsonst und an einem ungewöhnlichen Ort. Nur heute war ich kurz mal da. Es gab finnischen Tango, den ich ebenfalls sehr liebe. Natürlich wurde auch der größte finnische Tango aller Zeiten – Satumaa – gespielt, sogar live. Satumaa bedeutet Traumland. „Jenseits des Ozeans gibt es ein Land, wo die Wellen an die Ufer des Glücks spülen, wo die schönsten Blumen blühen, (…) Nur in meinen Träumen kann ich dorthin reisen. Fliege mein Lied wie ein Vogel in dieses Traumland …“ Ja, die Finnen können es auch.

 

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