Wunder gibt es niemals wieder

Wenn Ärzte nicht helfen können, was bleibt dann? Einfach abwarten, bis der letzte Rest Sprache durch die FTD/PnfA weg ist? Nein, das kann und will ich nicht. Darum haben wir alternative Behandlungen ausprobiert. Früher hab ich mich über all die Handaufleger, Kräuterhexen und Gesundbeter lustig gemacht. Jetzt sind wir Kunden geworden.

Viele Monate ist mein Mann zu einer Geistheilerin gegangen. Einmal die Woche ließ er sich von ihr eine Viertelstunde lang die Hände auf den Kopf legen, vor allem links, da wo das Sprachzentrum immer weiter verfällt. Danach war für 24 Stunden Duschen und Haare waschen verboten. Geschadet hat die „Behandlung“ nicht, geholfen allerdings auch nicht. Immerhin meinte er, eine Art Wärme beim Händeauflegen zu spüren. Da hätte ein Saunabesuch einen ähnlichen Effekt gehabt.

Vor ein paar Wochen habe ich eine kleine Tüte Gras gekauft. Ich hatte gelesen, dass Cannabis bei Demenz, allerdings Alzheimer nicht bei FTD, erfolgreich getestet worden war. In meiner Facebook-Selbsthilfegruppe hatten Mitglieder außerdem gepostet, dass nach dem Kiffen die Sprache bei Betroffenen viel besser werden würde. Das machte mir Hoffnung. Leider vergebens. Er konnte hinterher nicht besser, auch nicht mehr sprechen als vorher. Vielleicht liegt es daran, dass er dem Kiffen schon immer nichts abgewinnen konnte. Vielleicht wirkt es auch einfach nicht bei PnfA. Oder nicht bei ihm.

Was können wir jetzt noch tun? Eine Locke von ihm bei Vollmond hinterm Haus vergraben? Ein Tieropfer bringen? Voodoo? Ich habe das Gefühl, mein Hirn ist schon genauso aufgeweicht wie seins. Wunder gibt es nicht für FTD-Patienten.

3 Gedanken zu “Wunder gibt es niemals wieder

  1. Ja diese Phase hab ich auch erfolglos hinter mir.griechischer Berg Tee kiloweise.omega 3 Fettsäuren.kokosöl richtig teuer.wundermittel heilpraktiker.logopädie…. Frau Dr Diehl Schmidt sagt richtig es gibt nichts wo man weiß dass es hilft.das weiß ich nun leider auch

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  2. Ach Aphasia, Deine Texte berühren so, gehen so nah, obwohl es doch um Entfernung geht bei dem, was Du erlebst. Diese Leere, diese Entfernung ist so fühlbar durch Deine Worte, zerrt und zieht in den Eingeweiden. Und dann ist da doch immer wieder ein kleines Licht, ein Funke, auch wenn Du schreibst, es gibt keine Wunder. Du bist das Wunder, Du und Deine Texte, die das alles festhalten. Bewahre Dir Deine Funken und gib ihnen Worte – denn sie geben Licht.

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